Herbst-Konzert??

Eine Einladung zum un-wissenschaftlichen Hören

Felix Mendelssohn (links) und Camille Saint-Saëns, dessen Todestag sich am kommenden 16. Dezember zum hundertsten Mal jährt.

Was haben die beiden ausgewählten Werke mit dem Herbst zu tun, wenn man von dem Zeitpunkt des Konzerts im Spätherbst einmal absieht?

Neben vielen anderen Möglichkeiten, diese wunderbare Musik zu erleben, gibt es für mich auch eine, welche direkte Assoziationen an die Jahreszeit nicht nur zulässt, sondern sogar nahelegt.

Man stelle sich die zwei Seiten – oder zwei Gesichter – des Herbstes vor: den goldenen, glücklichen und lichtvollen Herbst in seiner Pracht und den stürmischen, dramatischen Herbst, welcher unberechenbar ist und manchmal sogar gefährlich.

Dann werden die Parallelen deutlicher: Felix Mendelssohns Werk kann für die helle Seite des Herbstes stehen.

Vielleicht hört man hier die Erinnerung an einen heissen Sommer heraus, da die freudige Dankbarkeit über eine gelungene Ernte und die zufriedene Gelassenheit darüber, im kommenden kalten Winter gut versorgt zu sein – oder dort die leise Melancholie angesichts der Schönheit der gefärbten (und bald fallenden) Blätter.

Im Werk von Camille Saint-Saëns – um den Gedanken weiter fort zu spinnen – findet man vielleicht eher die dunkle und aufwühlende Seite des Herbstes: Moll-Tonarten herrschen vor, schnelle Tonleitern, welche Windböen ähneln, Klangfarben, die an Nebel oder Nieselregen erinnern und peitschende, entfesselte Rhythmen.

Wenn man sich der Musik auf dieser Ebene nähert, kann man all das heraushören – all das, oder etwas ganz anderes. Das ist das Spannende.

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